Lagerregulierung die Erste

Lagerregulierung

Lagerregulierung die Erste

Ich musste in der Überschrift „Lagerregulierung“ schreiben weil Sie es nur so in Business Central und allen älteren NAV Versionen finden. Gutes Deutsch ist das aber wieder einmal nicht (ich glaube ich wiederhole mich hier). Der englische Begriff lautet „Cost Adjustment“ und das trifft die Sache schon viel eher, es geht nämlich bei der Lagerregulierung um die Anpassung von Kosten (und Werten) im Lager und beim Verkauf die durch im Nachhinein erfolgte Ereignisse notwendig werden.

Beachten Sie bitte: in diesem ersten Teil erkläre ich das Prinzip der Kostenanpassung und die Auswirkungen auf den Lagerwert, allerdings noch nicht die buchhalterische Seite. Diese folgt in einem separaten Artikel.

Beginnen wir mit einem ganz einfachen Beispiel: ich habe absolut nichts auf Lager und kaufe einen Artikel um 3.500 ein. Ich bekomme auch gleich die Rechnung und buche Lieferung und Rechnung gleichzeitig in Business Central (auch dazu in einem späteren Beitrag mehr). Mein aktueller Lagerwert beträgt daher 3.500 mit einem Stück. Wenn ich nun diesen Artikel verkaufe dann werden für den Verkauf 3.500 als Kosten verzeichnet und mein Lagerwert sowie die Menge beträgt dann wieder 0.

Lagerregulierung 1

Bei dieser Aktion werden unter anderem zwei für uns bedeutsame Tabellen beschrieben: einerseits die sogenannten Artikelposten wie oben gezeigt. Hier sehen Sie schön und übersichtlich den Einkauf in der unteren Zeile und dann den Verkauf in der oberen. Beide strikt aus der Lager- bzw. Artikel-Perspektive gesehen. Die zweite wichtige Tabelle sind die sogenannten Wertposten, hier werden sämtliche Ereignisse die den Wert der Artikel betreffen chronologisch vermerkt. Im Augenblich sieht diese Tabelle praktisch genau so aus wie die Artikelposten weil noch keine Regulierung/Anpassung notwendig war. Deswegen zeige ich sie auch nicht.

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe anderer Transaktionen die in diesem Zusammenhang stattfinden, diese sind aber im Augenblick nicht von Bedeutung

Schalten wir einen Gang hinauf: Wir kaufen den selben Artikel ein, allerdings unterscheidet sich der Preis auf der Rechnung von jenem auf der Bestellung. Um besser unterscheiden zu können ändere ich das Datum auf den 16.10. Aber auch hier verkaufen wir den Artikel wieder – nachdem wir die Einkaufsrechnung gebucht haben.

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Wie man hier auf den ersten Blick sieht, ist in den Artikelposten wenig Änderung da, die Preisänderung zwischen Lieferung und Verrechnung ist nicht reflektiert sondern es steht der tatsächliche Einstandspreis in der Tabelle. Bei den Wertposten hingegen sieht man sehr schön, dass mit der Transaktion 1105 einerseits die Zeile 104 annulliert und der neue geänderte Preis hinterlegt wurde. Mit 1106 sieht man dann den Verkauf gleich wie in den Artikelposten.

Als vorletzte Komplexitätsstufe für diesen kurzen Aufsatz nehmen wir den gleichen Artikel zu einem anderen Datum, kaufen ihn wieder ein aber zwischen Lieferung und geänderter Rechnung des Lieferanten werden wir den Artikel bereits verkaufen.

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Die Artikelposten sind wie immer unberührt und zeigen die 2 Bewegungen zu den richtigen Kosten – auch wenn der der Einstandspreis von 4.200 zum Verkaufszeitpunkt noch gar nicht bekannt war. Die eigentliche Geschichte wird aber in den Wertposten erzählt: In Zeile 1107 liefern wir an, der angenommene Wert aufgrund der Bestellung ist 3.500. Und genau zu diesem Wert geht der Artikel auch hinaus (Zeile 1108). In Zeile 1109 wird aufgrund der Rechnung die ursprüngliche Buchung egalisiert und durch eine neue, richtige ersetzt. Aber nachdem nichts mehr auf Lager ist muss der Wert ja eigentlich 0 sein. Und genau das wird mit der letzten Zeile erreicht – gleichzeitig auch unsere erste echte Anpassung/Regulierung. Wir haben nämlich den Wert von 0 Stück von 700 auf 0 verringert. Das klingt ein bisschen verrückt, ist aber systematisch vollkommen richtig. Warum sehen Sie gleich.

Wir machen jetzt das gleiche wie oben, allerdings kaufen wir 2 Stück ein und verkaufen vor Einlangen der EK Rechnung ein Stück davon. Dann macht auch die Anpassung wesentlich mehr Sinn weil wir ja etwas haben das wir anpassen können.

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Im oberen Bild – kaum Änderung. Wir haben ein Stück zu 4.200 Kosten und mit 1.800 Gewinn verkauft. Und wir haben noch ein Stück (aus dieser Lieferung) auf Lager wie uns die Spalte „Restmenge“ zeigt. In den Wertposten ist jetzt allerdings etwas passiert das nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist: Mit der letzten Zeile wurden nicht nur die Kosten des Verkaufs erhöht (angepasst / reguliert) sondern auch der Wert des verbleibenden einen Stücks. Das ergibt sich wenn Sie die Einstandsbeträge zusammenzählen und sich die fakturierten Mengen ansehen.

Richtig interessant wird es aber wenn wir nicht mehr nur über Durchschnittspreise sondern über FIFO oder LIFO sprechen. Wenn Kosten nicht nur pro Artikel sondern auch pro Lager bestimmt werden. Wenn neben Ein- und Verkauf auch Inventuren, Schwund und manuelle Zu- und Abbuchungen hinzukommen. Und wenn als Tüpfelchen auf dem i dann noch Zu- und Abschreibungen gemacht werden. 1000 fach pro Tag.

Glauben Sie mir – es stimmt dann noch immer (BC ist da wirklich absolut top). Wir (also wir Durchschnittsmenschen) können eben nur mehr die Wertposten nicht mehr interpretieren.

In den nächsten Beiträgen dann mehr zu den Einstellungen und vor allem zu den Auswirkungen auf die Fibu.

Weiterführende Links zu diesem Thema:

Designdetails Kostenregulierung (link)
Artikelpreise justieren (link)


Disclaimer: Wir wissen viel aber nicht alles und Fehler können passieren. Wenn Sie daher einen solchen finden – schreiben Sie uns bitte.

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