Business Central – Cloud oder On-Premises?

Beginnen wir zunächst mit der Definition dessen, was on-premises überhaupt bedeutet: on-premises ist alles, was nicht SaaS ist (Software as a Service) und somit alles, was nicht zur Microsoft Cloud gehört.

Cloud oder On-Premises?

Business Central – Cloud oder On-Premises?

Beginnen wir zunächst mit der Definition dessen, was on-premises überhaupt bedeutet: on-premises ist alles, was nicht SaaS ist (Software as a Service) und somit alles, was nicht zur Microsoft Cloud gehört.
On-Premises oder “Vor-Ort” Installation bedeutet:

  • Business Central läuft auf privater Hardware (in Ihrem Serverraum)
  • Wird in Vmware, Xen, HyperV oder einer anderen Virtualisierungsplattform gehostet
  • Wird auf einer virtuellen Maschine, die in Azure, AWS oder einem anderen Cloud-Anbieter läuft, ausgeführt.

In vielen Fällen haben Sie also möglicherweise eine lokale Installation, selbst wenn Sie in EINER Cloud arbeiten, aber eben nicht in DER Microsoft SaaS-Cloud.

Es gibt allerdings einige wesentliche Unterschiede zwischen Cloud und On-Premises, wobei Microsoft heute davon ausgeht, dass die Cloud Version der Standard ist und die lokale Installation die Ausnahme.

WasCloudLokale Installation
BenutzerverwaltungAADAD
DotNet Nicht erlaubtErlaubt
DateizugriffNicht erlaubtErlaubt
Office Integration Einfach – Plug’n’Play Kompliziert
SQL Zugriff Nicht erlaubtErlaubt
SQL LizenzNicht benötigtBenötigt
C/Side Entwicklung Nicht verfügbarNur mehr für Version 14
Role Tailored Client Nicht verfügbarNur mehr für Version 14

Was für eine lokale Installation spricht

Mit dem generellen Trend hin zur Cloud werden immer mehr Anforderungen an die Konnektivität gestellt. Kombiniert mit einer ständigen Zunahme der Software-Komplexität, wird vor Ort eingesetzte Software immer schwieriger zu warten. Welche Parameter könnten also trotzdem die Notwendigkeit bedingen, vor Ort und nicht in der Cloud zu installieren?

SQL Integration

In SQL-lastigen Umgebungen erfolgt die Integration oft direkt auf der SQL-Ebene. Auf die SQL-Datenbank kann in der Cloud jedoch nicht direkt zugegriffen werden, was eine SQL-Integration unmöglich macht.

DotNet Integration

Aufgrund von Sicherheitsproblemen erlaubt Microsoft die Verwendung von DotNet in der Cloud nicht. Wenn Sie DotNet für die Integration oder Datenverarbeitung benötigen, ist On-Premises die möglicherweise die einzige Lösung.

Schlechte Anbindung

Ländliche Gebiete mit eingeschränktem Internetzugang sind primäre Kandidaten für eine Vor-Ort-Installation da keine schnelle und störungfreie Verbindung zu einem Microsoft Datencenter gewährleistet werden kann.

Gesetzliche Vorschriften

In einigen Ländern und Regionen kann es sein, dass Daten nur national gespeichert werden dürfen aber in dem betreffenden Land kein MS Datencenter existiert.

Einzige Möglichkeit

Einsatz auf Schiffen, in der Arktis, in Hochsicherheitszonen…

Der Preis!

Aktuell beträgt die Monatsgebühr für einen Essential Benutzer 59 € (Stand 12/20) der Kaufpreis für eine perpetual license (Kauflizenz) beträgt 1500 € zuzüglich 16 % Wartungsgebühr pro Jahr.

Wenn wir nun auf diese 1500 € pro Jahr 10% an Gemeinkosten aufschlagen (also Serverbetrieb, zusätzliche Software, Personalkosten etc.) dann ergibt sich eine monatliche Belastung von 33 € (26 % von 1500 / 12). Ziehen wir die 33 € von den 59 ab, bleiben 26 € im Monat um die die Kaufversion im Monat “billiger” ist. Nun dividieren wir den ursprünglichen Kaufpreis von 1500 € durch 26 und wir erhalten den Break-even-Point: dieser liegt bei 58 Monaten oder knapp fünf Jahren. Erhöhen wir die Kosten für den laufenden Betrieb auf 20% so ergibt sich ein Break-Even von rund 9 Jahren.

Aus dieser Rechnung ergibt sich schlüssig, dass für kleine und mittlere Unternehmen die Cloud Version mit großer Wahrscheinlichkeit günstiger ist als eine Vor-Ort Installation. Für größere Unternehmen die mit weit geringeren Gemeinkostenzuschlägen pro BC Benutzer rechnen müssen, wird vermutlich eine Cloud Lösung weniger interessant sein.

Wobei es hier natürlich noch eine Vielzahl von anderen Parametern gibt, die zu beachten sind.

Unterschiede für die Entwicklung

On-Premises Business Central erfordert eine zusätzliche Lizenz für die Entwicklung. Jedes Objekt (die Komponenten, aus denen Business Central aufgebaut ist) benötigt zum Ausführen eine Lizenz. Je nach Größe können dadurch beträchtliche Lizenzkosten entstehen. In der Cloud gibt es diese nicht. Wenn Sie vor Ort mit einer für die Cloud ausgestellten Lizenz (oft als Dual-Use-Lizenz bezeichnet) arbeiten, haben Sie Zugriff auf die gleichen Objekte wie in der Cloud.

Ein weiterer Unterschied zwischen der Cloud und lokalen Systemen ist die Möglichkeit, fremden Code in Business Central zu integrieren. Die Microsoft-Cloud lässt keinen fremden Code zu, on-premises ist er jedoch erlaubt.

Es ist einfach, Integrationen innerhalb von Business Central mit SQL, DotNet oder anderen Technologien durchzuführen. Aber diese Anpassungen können nicht in die Cloud migriert werden.
Viele Entwickler verwenden nun auch Azure-Functions*, die Fähigkeit, Code “serverlos” in Azure zu hosten. Wenn Sie Code in Azure Functions hosten, können Sie den umfangreichen Webservice-Support in Business Central (Cloud) nutzen, um den Code nahtlos in Geschäftsprozesse zu integrieren.

Derzeit können Sie Erweiterungen von AppSource in einer lokalen Umgebung nicht installieren. Wenn Sie eine bestimmte Erweiterung benötigen, müssen Sie sich an den Anbieter wenden um eine Version
der Erweiterung für die Vor-Ort-Installation zu bekommen.

* Azure Functions is an event driven, compute-on-demand experience that extends the existing Azure application platform with capabilities to implement code triggered by events occurring in Azure or third party service as well as on-premises systems.

Conclusio

Nach 30 Jahren in diesem Geschäft und vielen großen lokalen Installationen denke ich, dass es immer weniger Gründe gibt, Software lokal zu installieren. Ja, es hinterlässt ein komisches Gefühl und ja, die Daten sind woanders und nicht “im Haus”. Aber wenn wir ehrlich sind kommen wir auch an die Daten am lokalen Server nicht heran ohne mindestens zwei Spezialisten hinzuzuziehen. Und abgesehen davon ist der lokale Server meist ja kein lokaler Server mehr, sondern eine Platine in irgendeinem Rechenzentrum, gewartet von irgendeinem Provider. Und wenn das Internet wirklich einmal für längere Zeit ausfallen sollte dann haben wir vermutlich ganz andere Probleme als den Betrieb von Business Central.

Einzig bei großen oder vielleicht sogar multinationalen Unternehmen wäre eine “lokale” Installation denkbar, da hier sowohl das Personal als auch die technischen Voraussetzungen bereits gegeben sein sollten. Der oben erwähnte Aufschlag pro Benutzer für den Betrieb der Software bewegt sich in diesen Fällen wohl eher im Cent Bereich und die Einsparungsmöglichkeiten bei Hunderten von Benutzern sind dann signifikant.

Allerdings gilt auch hier, dass es immer auf den Einzelfall ankommt und eine generelle Empfehlung für die eine oder andere Variante keinesfalls ausgesprochen werden kann.

Weiterführende Links zu diesem Thema:

Diese Infos und noch viel mehr sind im Buch von Erik Hougaard verfügbar – zu kaufen hier: (link)
Warum Sie nicht auf Business Central umsteigen sollten (link)


Disclaimer: Wir wissen viel aber nicht alles und Fehler können passieren. Wenn Sie daher einen solchen finden – schreiben Sie uns bitte.